Angekommen in Wilmington, North Carolina

Angekommen in Wilmington, North Carolina

Vorläufige Bilanz per Bild und Stichpunkten:

  • 20 von 50 Bundesstaaten durchquert
  • mehr als 7000 Meilen per Zug und Bus
  • nur eine Blase erlaufen
  • über 100 Stunden Zugfahrt, etwa 20 Stunden Greyhound-Bus
  • ca. 30 h akkumulierte Verspätung
  • Liste der Orte: Princton Campus und Moor, Downtown Mount Holly mit ältester erhaltener Feuerwehr der USA, Innenstadt Philadelphia und Chicago, Bahnhof und Downtown Barstow, Downtown Bakersfield und Fresno, San Francisco, Palo Alto, Campus Stanford University, Downtown Washington, Hafenstadt Wilmington
  • Liste der Museen: Barstow Harvey House, Museum für Jüdische Kunst der Gegenwart San Franciso, Museum für Asiatische Kunst San Francisco, Stadtführungen SF (Architektur, Popos, Straßenkunst), Kunstmuseum und Park der Stanford Universität, Smithonian Museum für Asiatische Kunst Washington, …
  • Lieblingsfrühstück: Pfannkuchen, Obstsalat und Haferflocken in Barstow
  • Lieblingsmittag: Obento in Japanischen Viertel in San Francisco
  • Lieblingsabendbrot: Koreanischer Tofutopf in San Francisco
  • Anzahl geklauter Bücher: 5, Anzahl neugekaufter Bücher: 7
USA Wegstrecke

USA Wegstrecke

If you are going in San Francisco – Gut zu Fuß in SF

If you are going in San Francisco – Gut zu Fuß in SF

Auf den Hund gekommen

Auf den Hund gekommen

Wir ziehen früh am Morgen los, die Fahrkarten für den Greyhound nach San Francisco abzuholen. Die Buchung per Internet spart 20 Dollar, aber man muss eine Stunde vorher losrotteln. Das Stadtzentrum von Fresno wirkt bemüht: es gibt eine Fussgängerpassage, etwas Kunst und viele noch geschlossene Geschäfte. Wir kommen an der Einwanderungsbehörde vorbei, die Leute müssen bei Wind und Wetter anstehen, um ins gelobte Land zu kommen. Dabei scheint der Lack ab. Oder sind wir inzwischen von Anblick ostdeutscher Schnuckelstädtchen zu doll gepampert? Tatsächlich sehen wir viele leere Geschäfte, Leute ohne Dach über dem Kopf – wir werden oft auf Kleingeld angesprochen.

Unserer Beobachtung nach teilen sich die USA mindesten ins 4 Klassen: Leute, die sich alles leisten können, Leute, die zur relative gut gesättigten Mittelschicht gehören und niemals Greyhound fahren würden, Leute, die Greyhound fahren müssen und Leute, die selbst den Greyhound nicht bezahlen können. Nicht, dass das sehr preisgünstig wäre – für die gesamte Strecke von Barstow nach San Franciso berappen wir etwas mehr als 100 Dollar. Wenn man durch das Land fährt, fallen noch mehr Dinge auf. Gemessen an der Größe des Landes, sind die Wohnhäuser rechts und links der Autobahn eng aneinander gebaut. Die zugehörigen Minigärten bergen Mengen an Gerümpel: alte Reifen, verrostete Maschinenteile und der gleichen. Ehrlich gesagt, sieht es in Sibirien entlang der Transsib auch nicht anders aus. Nur, dass man es dort als normal empfindet.

Als wir die Berge am anderen Ende des San-Joaquin-Tals erreichen, wird die Gegend wieder wohlhabender – wir kommen in die Vororte von San Francisco. Hier liegen Silicon Valley und Stanford, hier gibt es Mehrwert. San Francisco begrüßt uns im Sonnenschein. Wir wandern 10 Straßenblöcke bis zu unserem umweltfreundlichen Gut-Hotel mit Fahrradverleih zum Kohlendioxidausgleich. Wer sagt eigentlich, dass Japan das Land der Gegensätze sei?

Casa del Desierto und Strawberry fields forever

Casa del Desierto und Strawberry fields forever
Casa del Desierto und Strawberry fields forever

Wir sitzen im Greyhound von Barstow nach Bakersfield. Allmählich lassen wir die Wüste hinter uns und in der Ferne taucht die erste Bergkette auf, die Mojawe-Wüste und San-Joaquin-Tal trennen. Es hat nämlich nicht geklappt – ohne Auto sind wir nicht von Barstow weggekommen. Eigentlich wollten wir ja ein paar Tage in den Joshua-Tree National Park, genauer in das Cottonwood-Tal, um die Wüste blühen zu sehen. Der Southwest Chief war gegen 5 Uhr mit etwa einer Stunde Verspätung in Barstow angekommen. Außer uns stieg niemand aus. Es ist dunkel, aber das Bahnhofsgebäude sieht vielversprechend aus. Es nennt sich ‘Casa del Desierto’ – Haus der Wüste. Frisch gekalkt und restauriert erinnert es an mondäne Südstaatenvillen mit Säulen und Veranda. Doch alles ist zu, niemand da. Wir laufen eine Runde um das Gebäude und werden auch nicht schlauer. Ein Museum der Route 66, ein weiteres für alte Züge – aber alles öffnet erst in Stunden. Es gibt keine Bushaltestelle, kein Taxi – selbst der Interstate schläft noch. Wir setzen uns vor den Eingang zum Bahnhof und warten. Plötzlich schließt jemand die Tür auf, ein Sicherheitsbeamter macht seinen Rundgang. Wir fragen nach dem Weg ins Zentrum und der Mann guckt uns an als seien wir kühne Marsmännchen. Im Prinzip geht es über die Brücke, aber es sei ein Ghetto. Wir fragen, ob wir hier denn sicher wären. Er meint, dass wir immerhin zu zweit wären. Na toll. Es ist stockdunkel und wir sitzen Scheinwerferlicht, wissen nix und warten. Gegen 5.45 Uhr plötzlich ein Heidenlärm – die Vögel werden wach und zwitschern. Es kann also nicht mehr lange dauern mit dem Sonnenaufgang. Um 6 Uhr ist die erste Dämmerung zu erkennen und dann kann man beim Hellwerden zusehen und hören: auf dem Bahnhof werden Güter rangiert, auf dem Interstate werden es mehr Autos und die Vögel sind unterwegs. Je heller es wird, umso zuversichtlicher werden wir. Um 8.30 Uhr öffnet der Bahnhof.

Dieser ist inzwischen ein Museum und ein Besucherzentrum. Das Gebäude ist eines der wenigen noch erhaltenen Harvey-Hotels, die früher längs der Eisenbahnstrecke von Chicago nach Los Angeles existierten. Sie versorgten die Weiterreisenden auch mit Essen, denn Speisewagen wurden erst viel später an die Züge angehängt. Wer einmal dort als Bedienung gearbeitet hatte, hatte wohl gute Heiratschancen. Denn wie wir in alten Dokumenten lasen, haben gleich 5000 Frauen über ihre Arbeit ihren Mann kennengelernt. Nun, kann sich jeder selbst einen Reim drauf machen. Es gibt auch eine englische Wiki-Seite über die Geschichte der Häuser: Link.

Im Besucherzentrum müssen wir auch feststellen, dass kein Weg in die Wüste führt, abgesehen von einem unerschwinglichen Taxi. Zum Trampen wir zu feige. Das war auch gut, wie sich später herausstellt. Wir müssen nun zum Greyhound, der Station des Überlandbuses – der nächste Zug kommt erst in 20 Stunden und müsste eh reserviert werden. Die Haltestelle vom grauen Hund liegt über die Brücke, einmal quer durch den Ort. Der Mitarbeiter hat uns einen Flyer gegeben, in dem alle Murals, also Wandbilder, im Ort eingezeichnet sind. Sieht nett aus. Wir marschieren los. Der Ort wirkt verschlafen, lebt wahrscheinlich nur davon, dass die legendäre Route 66 hindurch führt. Ein Polizeiwagen heult auf, während wir quer über die Straße zu einem Wandbild laufen. Weit kommen wir nicht, denn der Polizist ist aufgebracht und die Leute, die er angehalten hatte auch. Sie fordern ihn auf, uns auch einen Strafzettel zu verpassen. Doch wir sind im Grünstreifen gefangen und warten auf Anweisung. Der Polizist schickt uns hundert Meter zurück, um dort die Ampel zu überqueren. Wir beschließen, das Wandbild nicht zu fotografieren und gehen weiter. Die Geschäfte wirken trostlos, was nicht nur an der Wüstengegend liegt. Als wir an einer Bank vorbeikommen, beschließen wir Geld abzuheben. Tuen das auch nur, weil ein Sicherheitsbeamter davor steht. Immerhin sollen wir im Ghetto sein, worauf wir den Beamten auch ansprechen. Er stimmt uns zu und sagt, dass wir gut aufpassen sollen. Wie gruselig. Dann sind wir wortwörtlich über den Berg. Denn als wir den kleinen Hügel passiert haben, wirkt die Gegend plötzlich normal. Es gibt die üblichen Fastfoodketten und ordentlich aussehende Motels. Tatsächlich sind wir erleichtert und gehen erstmal frühstücken in Coco’s Bäckerei. Für 11 Dollar speisen wir fürstlich: Haferflocken mit Heidelbeeren und Nüssen, Orangensaft, Kaffee und Toast. Internet gibt es auch, damit haben wir wieder Zugang zu Informationen.

Seit einer Stunde sitzen wir nun im Greyhound, wollen noch bis Fresno mit Umsteigen in Bakersfield. Als wir die Bergkette passieren, ist alles grün. Flaches Land soweit das Auge blickt und jeder Flecken ist Agrarland. Hier gibt es aber keine Bauern sondern Agro-Unternehmer, denn die Felder sind riesig: kilometerlange Plantagen, sortenrein, Walnüsse, Aprikosen, Mandeln, Äpfel und Erdbeeren. Immer wieder auch Alfalfa-Felder, die Verarbeitungsanlagen stehen auch gleich um die Ecke. Das brauchen sie vor allem als Futtermittel, denn die Fastfoodketten wollen mit Rind und Schwein versorgt sein. An den Massenställen kommt man auch vorbei auf der Autobahn. Da ist nix mit glücklichen Kühen. Sie stampfen eingeengt im Schlamm und darüber gibt es ein Blechdach. Guten Hunger! Den haben wir auch, als wir in Bakersfield ankommen. Wir haben zwei Stunden Aufenthalt bis es weiter geht, also erkunden wir die Stadt ein wenig. Sie macht einen netten, studentischen Eindruck. Es gibt Cafes und Restaurants, Fahrradwege, Galerien usw. Wir finden eine Kette, die asiatische Nudelsuppen anbietet. Die sind vegetarisch und lecker. Wir sind wohl wieder im Urlaub. Mit ziemlich Verspätung kommen wir dann abends in Fresno an. Das liegt zentral in dem großen San-Joaquin-Tal und hat ein Downtown mit höheren Gebäuden. Wir finden in der Nähe des Bahnhofs ein Hotel und haben Glück, denn es ist noch ein behindertengerechtes Zimmer frei. Achja, Joshua-Bäume und Yucca-Wälder haben wir doch noch gesehen, denn wir haben die Täler mit dem Bus durchquert.

Von Philadelphia über Washington nach Chicago

Von Philadelphia über Washington nach Chicago
Von Philadelphia über Washington nach Chicago

Die Sensation ist: wir haben Internetanschluss und können per AMTRAK-Service verfolgen, wo unser Zug gerade unterwegs ist (siehe Schnappschuss). Das Netz funktioniert nicht schlecht, so kann Jenny eine Weile mit uns per Videokonferenz am mächtigen Fluss Delaware vorbeifahren. Aber diesen Superdooper-Service gibt es noch nicht überall – bislang scheint das nur im acela Express zu gehen.

Abgesehen von diesen technischen Spirenzchen zweifeln wir, ob wir nicht falsch abgebogen und gaaaanz weit nach Osten gefahren sind. Ganz ehrlich: russische und amerikanische Bahnhöfe nehmen sich in ihrer Wuchtigkeit gar nichts und wenn dann Passagiere noch russisch sprechen …

Einen echten Unterschied gibt es aber doch: wie vor 12 Jahren ist an unserem Schaffner ein Showmaster verloren gegangen. Er warnt davor, nur in Socken aufs Klo zu gehen und endet jede Ansage mit einem selbst erfundenen Liedchen ‘Potatoes, potatoes’. Für die, die mit Pittplatsch durchs Jahr gesungen sind, frei übersetzt mit: Kartöffelchen, Kartoffelchen, Kartöffelchen. Als wir heute früh in Chicago am Bahnhof ankommen, verabschiedet er alle mit: Chicago Union Station. It is our final stop. All out of the pool. Chicago Union Bahnhof. Unsere Endstation. Alle bitte raus aus dem Swimmingpool.

Bahnhof Philadelphia

Bahnhof Philadelphia

Moskau ist immer um die Ecke, selbst im Bahnhof von Philadelphia.

In Brownsmills beim Friseur

In Brownsmills beim Friseur

Browns Mills ist eine kleine Siedlung im Bundesstaat New Jersey. Es sind 40 Meilen bis Philadelphia, 30 bis Stanford. Die Gegend ist geprägt durch Bungealow-Siedlungen und ein paar Städtchen, die schöne, alte Holzhäuser haben. Wir besuchen hier einen Onkel, bevor es weitergeht in Richtung Kalifornien. Unterwegs fallen uns immer wieder tote Bäume auf, die asiatische Zigeunermotte (oder Schwammspinner) treibt hier ihr Unwesen. Übrigens waren auf unseren Schiff auch Warnungen vor diesem Schädling angebracht, doch es ist wohl zu spät, ihre Einschleppung noch zu verhindern. Wer weiterlesen will: Wikilink zum Schwammspinner

August nutzt die Gelegenheit und lässt sich die Haare auf praktische Zugkürze schnippeln. Der Friseur meint, dass Obama keine Chance hat. Schaut man sich die Aushänge in seinem Laden mal genauer an, ist auch klar warum: hier arbeitet ein eingefleischter Republikaner. Überall hängen Urkunden und Fotos von Bush & Co.

Uriger Friseur in Browns-Mills

Uriger Friseur in Browns-Mills

New York, New York

New York, New York

Ja, wir sind angekommen. Und ja, wir sind mit dem Schiff an der Freiheitsstatue vorbei – so 2 Meilen vorher links eingebogen. Es war eine klasse Überfahrt und wir haben auch keine Brücke gerammt, haben extra die Antennen abgeschraubt. Das Problem bei der ganzen Sache: wir kommen einfach nicht hinterher, die vielen Fotos zu sichten, zu bearbeiten und die Eindrücke ins Web zu meißeln. Also gibt es einfach 2 lieblose Bildchen bis wieder Luft ist :)

New York ist in Sichtweite

New York ist in Sichtweite

Wir ziehen den Kopf ein, um durch die Brücke zu passen

Wir ziehen den Kopf ein, um durch die Brücke zu passen